Besuch der LKCE 2016 in Hamburg

Wir arbeiten in der Softwareentwicklung. Wir verwenden Kanban in unseren Teams. Wir haben ein Interesse am Thema Lean und den damit beabsichtigten Prozessoptimierungen. Entsprechend klar war unser Wunsch, eine passende Konferenz zu besuchen, um neue Impulse zu sammeln und Erfahrungen auszutauschen.

In der zweiten Novemberwoche war es soweit und wir waren auf der Lean Kanban Central Europe Conference in Hamburg (LKCE16) – die nunmehr sechste Ausrichtung dieser Veranstaltung.

Hamburger Hafen

Jetzt liegt unser erster Besuch dieser Konferenz hinter uns und wir hatten ausreichend Zeit für Reflektion und Gespräche über Inhalte. Zeit auch, uns selbst und Anderen Fragen zu stellen. Die Konferenz hat sich teilweise äußerst positiv und teilweise auch sehr negativ in unsere Erinnerung eingeprägt. Soweit zum Fazit vorweg. Doch schauen wir etwas genauer hin, denn Positives und Negatives, kann man bei quasi jeder Konferenz finden.

Um diese grobe und weit auseinanderklaffende Bewertung zu verstehen, muss man trennen zwischen dem Veranstaltungsort, den Inhalten und der Organisation.

Als Veranstaltungsort wurde eine eher kleine Veranstaltungshalle an den Hamburger Neumühlen, einem Elbeabschnitt zwischen Ottensen und Övelgönne, ausgewählt. Unmittelbar am Elbufer gelegen, ist es ein sehr modernes und hochwertig ausgestattetes Haus mit tollem Blick aufs Wasser und dem großen gegenüberliegenden Containerhafen. Die großen Kräne in der Abenddämmerung bieten ein tolles Gefühl von Industrieromantik und überhaupt ist das Motto »Let The Flow Begin« so nah am Elbufer und angesichts der nicht enden wollenden Bewegung im Hafen, sehr gut greifbar.
Die Konferenz mit ihren ca. 250 Teilnehmern (inklusive Vortragenden), mussten in diesem eher kleinen Gebäude Platz finden. Offensichtlich zeigte sich wohl bereits in der Planungsphase, dass das Haus wohl zu klein für alle Besucher sein würde, den zwei der drei parallelen Vortragsräume waren Zelte auf der angrenzenden Terrasse.

Moment… eine Konferenz in Zelten? Im November? Leider Ja. Die Zelte waren zwar groß und hochwertig – aber dennoch sind und bleiben es Zelte. Da nachts zuvor sogar noch der erste Schnee des Jahres auf Hamburg und das Umland fiel, war es in beiden ›Zeltvortragsräumen‹ entsprechend kühl und sehr bald unangenehm. Bereits zur ersten Keynote zeigte sich, was das bedeutet und mit sich bringt. Eine Stunde lang still sitzend zu zuhören, führte zu sehr kalten Füßen und dem dringenden Wunsch, den ersten Talk schon einmal nicht hier draußen im Zelt zu bleiben. So war es leider egal, was für ein Thema und Speaker angekündigt war. Den Vortrag auf Basis des Saales zu wählen, sollte nicht Kriterium sein, aber das war es zu Beginn der Konferenz leider sehr wohl.
Die Organisation bei der Wahl des Veranstaltungsortes aus unserer Sicht grobe Fehler im Vorfeld gemacht, aber wusste dann umso mehr zu beeindrucken, als dann innerhalb von wenigen Stunden zumindest Decken und warme Socken bereit gestellt werden konnten. Zudem waren am kommenden Mittwoch Morgen beide Außenzelte auch insgesamt deutlich besser beheizt. Noch lange nicht perfekt – aber so konnte man, ausgestattet mit Café-Terassen-Deckchen, immerhin am Nachmittag des ersten Tages auch in den Vorträgen der Außenräume verweilen und zuhören. Beim Mittagessen hingegen empfahl es sich, auch weiterhin mit Jacke an einem der wenigen Tische zu sitzen.

Decken Hamburg Lean Kanban

Die Inhalte der Konferenz waren überaus positiv zu bewerten: das galt sowohl für die Vortragsthemen, als auch die Vortragstechnik und die vortragenden Personen. Die Speaker waren international ausgewählt, fast durchgehend professionell vortragend und hatten viele relevante und spannende Themen und Anregungen mitgebracht. Kleine Berühmtheiten aus dem Themengebiet Lean waren ebenso mit an Board. So konnte man durch Niklas Modig aus quasi erster Hand einen Einblick in die Lean-Geschichte von Toyota und deren Erkenntnisse bekommen oder den umfassenden Erfahrungen und Sichtweisen der Lean Kanban University durch ihren CEO David Anderson zuhören.

Mittagessen auf der Lean-Kanban-Konferenz

Wir konnten aus vielen Bereichen Ideen oder Anregungen für unsere tägliche Arbeit und die dkd als Unternehmen mitnehmen und wenn das in einem Talk mal nicht so war, dann war es zumindest interessant, jemandem bei seinen Erfahrungen und seiner Meinung zuzuhören. Darüber bot sich durch den eher kleinen Rahmen der Konferenz die Möglichkeit, mit den Speakern direkt ins Gespräch zu kommen und sich an der Kaffeebar oder an den Sponsorenständen noch weiter auszutauschen.

Wenn man versuchen wollte, die persönlich wichtigsten Erkenntnisse und Elemente der zwei Tage in ganz wenige Sätze zu fassen, dann sähe das für mich wohl so aus:

  • Setze das Ziel der flow efficiency über das Ziel der resource efficiency.
  • Wenn wir von Kanban als Mittel zur Steuerung und Organisation überzeugt sind, dann brauchen wir Kanban auf allen Ebenen der Unternehmensorganisation.
  • Wenn wir mit Kanban unnötige Lasten entfernen und effizienter sein wollen, dann müssen wir auch besser messen, ob uns das gelingt. Der subjektive Eindruck ist nicht ausreichend.

Schade war, dass wir wegen des Schneefalles, schon gegen Ende des zweiten Konferenztages, und damit früher als gedacht, aufbrechen mussten, um einen der wenigen ICEs, die abends überhaupt noch in Richtung Frankfurt fuhren, sicher zu erwischen. So haben wir leider die dritte Keynote und einen würdigen Konferenzabschluss verpasst.

Allen organisatorischen Schwächen zum trotz, kann ich diese Konferenz allen Lean-Kanban-Interessenten empfehlen und freue mich, wenn ich auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein kann.