EuRuKo 2015 - Salzburg

TL;DR

Es war ein fantastisches Event, seht gut organisiert mit interessanten Speakern. Toller eBayer, gerne nächstes Jahr wieder. 4,5 von 5 Sternen.

Day 0 - Die Baustelle, die keine war

Dieses Jahr fand die EuRuKo (Europäische Ruby Konferenz) in Salzburg, Österreich statt. Mit im Gepäck: Anna, Kieran, Nicolai und Wilfried. Die Anreise erfolgte ab Frankfurt zunächst mit dem ICE nach München und anschließend mit dem Mietwagen nach Salzburg. Bedingt durch die aktuellen politischen Gegebenheiten hätte uns der Stau auf der Gegenseite an der Österreichisch-Deutschen Grenze zu denken geben sollen, hierzu aber später noch mehr.

Da unser Hotel sehr zentral lag, haben wir uns abends noch auf ein leckeres Abendessen im Sternbräu eingelassen und die lokale Küche sehr genossen (im Bild zu sehen: Salzburger Nockerln).

Salzburger Nockerln

Day 1 - Rocket Science

Wohl genährt und ausgeschlafen ging es zum Konferenzort. Badge ausgesucht, T-Shirt abgestaubt, Sticker eingesackt, erst einmal am Kaffee genippt - so entspannt konnte die Konferenz beginnen. Und sie begann auch mit einem großartigen Auftakt von Matz (Yukihiro
Matsumoto
), dem Erfinder von Ruby. Concurency vs. Parallelism hieß das schwergewichtige Thema, das Matz gekonnt mit amüsanten Verweisen auf die japanische Grammatik versetzt hatte.

Ruby wurde bekanntlich entwickelt, als es noch keine Multicore-Prozessoren im PC Bereich gab. In einem Ausblick hat er mögliche Ansatzwege für die Nutzung von Ruby in einer Multi-Core Umgebung gezeigt, um Ruby weiterhin als eine konkurrenzfähige Programmiersprache im 21. Jahrhundert attraktiv zu halten. Seine Kernaussage:

Hang in there folks, we will make using multi-core envs a reality, it’s just damn hard and takes time.

Man konnte sich allerdings nicht des Eindrucks verwehren, dass es in der jüngsten Zeit wohl eine starke Abwanderung von Ruby-Nutzern zu “hippen” Sprachen wie Go oder Elixir gab und man mit Aussichten und Parolen versucht die Community so lange bei der Stange zu halten.

Anschließend hat Joseph Wilk in Programming as a performance sein Projekt Sonic Pi vorgestellt, einen Synthesizer, welchen man mit Ruby programmieren kann. Laut seiner Aussage ist jede Zeile Code, egal ob nun in CSS oder Brainfuck geschrieben, Kunst, welche er dann auch eindrucksvoll in einer Live-Performance gezeigt hat. Dabei betonte Wilk dass Fehler im Code notwendig sind und man keine Angst vor ihnen haben sollte, da sie immer eine neue Quelle der Inspiration darstellen können.

Auf dem hohen Niveau ging es dann auch mit dem Vortrag Simplify Challenging Software Problems with Rocket Science von Bradley Grzesiak weiter. Grzesiak, seines Zeichens ein Luftfahrt- und Raumfahrt-Ingenieur, zeigte sehr eindrucksvoll, wie man ein komplexes
Thema wie die Gravitation und Beschleunigung von n-Körpern im Raum mit Vektoren und Matrizen auf “simple” Formeln herunterbrechen und wie man dies alles mit ein paar Zeilen Rubycode und den richtigen Libraries berechnen kann.

Nach einer kurzen Mittagspause stellte Satoshi Tagomori sein Thema Data Analytics Service Company and Its Ruby Usage vor. Leider war sein Vortrag nur schwer verständlich und die Tatsache, dass Tagomori dies auch noch sehr trocken anhand von internen Abläufen in seiner Firma vorgetragen hat, hat mir die Verdauung meiner Mittags-Pizza regelrecht
verdorben; schade eigentlich.

Anschließend zeigte Lydia Krupp-Hunter in Ihrem Vortrag Ruby Game Building Throwdown wie man mit ein Ruby Gems gosu und chipmunk simple Spiele mit einer vollwertigen Physics-Engine bauen kann. Es war ein leichtgewichtiger Vortrag und genau die richtige Kost nach dem Vortrag des Vorredners.

Der zweite weibliche Redner des Tages, Hanneli Tavante, hinterfragte mit dem Thema Humanising Math and Physics on Computer Science die Methoden zur Vermittlung von vermeidlich trockenen Themen wie Formeln und Gesetzen in der Mathematik oder Physik an der Universität. Ihrer Meinung nach ist es die Aufgabe von Professoren diese Formel und Gesetze in Verbindung mit den Menschen dahinter zu bringen. Wusstet Ihr, dass Keppler als Erster einen Science-Fiction-Roman geschrieben hat? Ich wusste es jedenfalls nicht. Mit solchen und weiteren Beispielen zeigte Tavante, dass man das Verständnis für
Mathematik und Physik verbessern kann.

Den Abschluss des Tages bildete der Vortrag von René Föhring: One Inch at a Time - How to get people excited about inline docs. Das Problem ist jedem Programmierer bekannt: Wie schreibt man verständliche und sinnvolle Inline-Dokumentationen (falls überhaupt) und vor allem, wie kann man die Codequalität anhand der Dokumentationen bewerten? Diese Frage hat sich René Föhring auch gestellt. Seine Antwort: er hat den Onlinedienst Inch CI ins Leben gerufen. Dieser Dienst bewertet die Vollständigkeit und Qualität von Inline-Dokumentationen.

Am Abend gab es dann noch eine nette Afterparty im Fuxn mit allen Konferenz-Teilnehmern.

Fuxn

Day 2 - Get shit done

Den zweiten Konferenz-Tag eröffnete Koichi Sasada, ein Ruby-Core-Commiter, mit seinem technischen Talk über Lightweight Method Dispatch on MRI und der Verwendung von Caching-Mechanismen für mehr Ruby-Performance.

Kurz darauf sprach Richard Huang über Refactor ruby code based on AST. Sein Talk ging über den Prozess des Code Reviews bei Ruby Projekten und deren Automatisierung mittels der Verwendung eines abstrakten Syntaxbaums. Die von ihm genannten Tools klangen sehr vielversprechend. Ich hätte mir nur gewünscht diesen Talk ein halbes Jahr früher gehört zu haben, das dies unserem Rails-Team bei einem großen Projekt-Rewrite viel Zeit erspart hätte!

Danach wurde es sehr nostalgisch mit dem Vortrag von Michał Taszycki über Learn to program Commodore 64 this year!. Michał präsentierte sich selbst als einen großen Commodore 64 Fanboy und er zeigte alle möglichen Tipps und Tricks wie man auch noch den letzten Pixel aus dem mittlerweile 20 Jahre alten Gerät rausholen kann.

Nach dem Lunch-Break stellte Tworit Kumar Dash das Thema RFID Technology with Internet of Things vor. Ein sehr trockener Vortrag über die Funktionsweise von RFIDs.

Leider konnten wir die restlichen Talks von Amy Wibowo, Simon Eskildsen und Christopher Rigor nicht wahrnehmen, da wir noch den Heimweg nach Frankfurt antreten mussten. Hier knüpfen wir auch an den eingangs erwähnten Stau an. In weiser Voraussicht, haben wir für den Stau extra 2h Fahrtzeit eingeplant. Kaum aus Salzburg rausgefahren, blieben wir auch prompt in demselbigen stecken. Aus geplanten 2h wurden dann geschlagene 5h!! Wartezeit an der Grenze. Am Ende wurden wir dann vom Zollbeamten auch nur durchgewunken, ohne jegliche Kontrolle.
ARGH!! ಠ_ಠ

Stau

Nächstes Jahr findet die EuRuKo übrigens in Sofia statt, man darf gespannt sein.

Leider sind nicht alle Talks auch als Präsentationen online verfügbar. Hier die bisherigen Funde:

Performance Programming by Joseph Wilk

Simplify Challenging Software Problems with Rocket Science by Brad Grzesiak

Data Analytics Service Company and Its Ruby Usage by Satoshi Tagomori

Humanizing Math and Physics by Hanneli Tavante

One Inch at a Time - How to get People excited about Inline Docs by René Föhring

Refactor ruby code based on AST by Richard Huang

Learn to Program C64 This Year by Michał Taszycki

Fold, Paper, Scissors by Amy Wibowo

Super-Reliable Software by Simon Hørup Eskildsen

von Michael Skrynski

Family-man, Ruby-developer, MongoDB-fan, vim-enthusiast, Schoppe-drinker, coffee-addict, boardgames-fanatic