CertiFUNcation 2017

Freitag, 09.06.2017. Das menschliche Parkleitsystem gab mir Anweisungen, denen mein Navi vehement widersprach. Aber nach knapp zweieinhalb Stunden Fahrt war ich bezüglich den Anweisungen dieser höheren Macht (aka Google Maps) reichlich desillusioniert. Ich folgte also dem Winken des Mannes in der gelben Warnweste und wenige Minuten und zwei Taschenkontrollen später betraten wir das Phantasialand. «Wir» bezeichnet hier meinen Kollegen Timo M. und mich. Wir waren, wie 17 weitere dkd-Mitarbeiter auch, nach Brühl gereist, um an der CertiFUNcation 2017 teilzunehmen: Ein Treffen von TYPO3-Entwicklern mit Präsentationen, Zertifikatsprüfung und Achterbahn.

Die Registrierung war kurz und schmerzlos. Auf jeder freien Tischfläche des Konferenzzentrums im Vergnügungspark wurden unüberschaubare Mengen an Kaltgetränken und Kaffee bereitgestellt. Die Menschen vom Catering haben sich wohl an die Vorjahre erinnert und wissen, wie man IT Gremlins Arbeiter ernährt.

Schon wenige Minuten nach unserer Ankunft ging es mit der Begrüßung auf der Bühne los.

An dieser Stelle ein paar klärende Worte: TYPO3 ist ein Enterprise CMS. Wenn ich Enterprise höre, dann denke ich an große, ernsthafte Unternehmen, graue Anzüge und peinliche Stille, wenn zwei Leute die gleiche Krawatte tragen. Die Zeit, in der gelacht werden darf, wird per Stoppuhr festgehalten und bei Kontingent-Überschreitung zwecks Nutzung von Synergie-Effekten durch das Human Ressource Department mit Bezugsabzügen geahndet.

Wie um diesem geistigen Bild zu trotzen wurde der Saal zum Einstieg mit «The Prodigy» beschallt, und die Stimmung auf der Bühne legte die Annahme nah, wir hätten uns auf einen Rave verirrt. In dieser Begrüßung erfuhren wir, dass Menschen aus sieben Ländern anwesend waren, darunter sogar ein einsamer nicht-Europäer.

Nach Würdigung der Sponsoren und den «Viel Glück»-Wünschen an alle, die zum Ablegen von Prüfungen angereist waren, wurde das beste Nerd-Shirt im Saal gesucht. Von Fan-Klamotten à la Star Wars und Doctor Who bis zu sehr speziellen TYPO3-Witzen war alles dabei. Die drei Gewinner dieser Wahl* erhielten jeweils eine Star-Wars-Drohne. Nächstes Jahr werde ich mich anders anziehen. Ich will auch coole Geschenke kriegen =).

* Der Prozess hat sich nicht an die demokratischen Prinzipien der Privatheit und Überprüfbarkeit gehalten, und ich kann nicht garantieren, dass kein Abstimmungs-Applaus aus den Lautsprechern kam.

Im Anschluss an die T-Shirt Wahl ergriff Olivier Dobberkau das Wort. Der Präsident der TYPO3 Association stellte die mehr oder weniger rhetorische Frage, wo denn ein Mensch ohne nachweisbare Qualifikation Präsident werden könne - allein die Vorstellung vom ReverendNeverend mit blond rüber gekämmter Föhnwelle. Er versprach, in den kommenden zwölf Monaten ebenfalls zwei Zertifizierungen zu erwerben, um sich von anderen Führungspersonen in punkto Befähigung abzugrenzen. Die dreihundert Besucher der Veranstaltung (sowie die Leser des dkd-Blogs) können ihn also nun darauf festnageln.

Der ReverendNeverend auf der Bühne Der da, der hat's versprochen

Es folgte die Security Keynote. Zwar würden mittlerweile über 50% aller Webseitenaufrufe per HTTPS ausgeliefert, weil hier aber alle Google- und Facebook Requests mit drin stecken, stelle diese Zahl die Sicherheit im WWW etwas verzerrt dar. Kurz: Benutzt TLS, verschlüsselt den Traffic, Let's Encrypt hilft wenn es günstig sein soll. Die Vorteile von HTTPS beschränken sich aber nicht auf Verschlüsselung: http/2 mit all seinen Vorteilen ist von HTTPS abhängig, und Absicherung des Datenaustauschs hat auch einen Einfluss auf das Ranking bei Google.

Im Internet weiß keiner, dass Du ein Hund bist Ohne Verschlüsselung weißt Du nicht, mit wem Du redest

Im Vortrag «What's new in TYPO3» wurde uns zunächst die neue Datenbankabstraktionsschicht (Doctrine dbal) vorgestellt. Im Anschluss erfuhren die Zuschauer etwas über Restriction Container, Language Handling und dem neuen Rich Text Editor. RTE Konfiguration in YAML als Vorlage speichern? Klingt schon einmal super. Der Denkprozess hinter der RTE-Änderung gefiel mir besonders gut: «Don't make editors think! If they think, they'll get creative. If they're creative, they'll f**k up your design!»

Mittlerweile ist es ja möglich, vier verschiedene Zertifikate für TYPO3 zu erwerben, passend dazu teilte sich der Tagesplan in Tracks, um Material für Entwickler, Integratoren, Redakteure und Consultants zu bieten. Als Entwickler machte ich mich also auf zum Vortrag über «Best Practices» beim Extension Development.
Die Präsentation zielte in erster Linie auf die Fallstricke bei der Pflege von Erweiterungen für neue TYPO3-Versionen ab. Den größten Teil der hier geschilderten Erfahrungen hat das Projektteam, in dem ich arbeite, bereits schmerzhaft beim letzten Upgrade gesammelt. Als allgemeines Framework von guten Herangehensweisen war es aber durchaus interessant.

Es folgte das Mittagessen. Ich glaube, das Restaurant war für die Konferenzbesucher reserviert, zumindest habe ich niemanden ohne Lanyard dort gesehen. Kaum am Buffet angekommen war ich überfordert: Ich bin es nicht gewohnt, eine Auswahl von n > 1 an vegetarischen Speisen zu haben! Am Ende habe ich mich mit dem Auberginenauflauf für die folgende Zertifikatsprüfung gestärkt.

Wasser mit TYPO3-ähnlichem Logo TYPO3-Wasser

Für die Prüfungen stand den gesamten Tag über ein dedizierter Raum zur Verfügung, der für die Dev-Prüfung berstend voll war. Lange Zeit gab es nur die Integratorprüfung. Hier konnte ich nun mit eigenen Augen sehen, welches immense Interesse an einer Entwicklerqualifikation besteht, die über das Integratorenzertifikat hinaus reicht. Es folgten 90 Minuten harter Konzentration auf 75 Fragen zu Prozessen, Extbase, Fluid, Best Practices, Ordnerstrukturen, Sicherheitsthemen, OOP...

Vollends ausgelaugt und zu keinen geistigen Anstrengungen mehr fähig, wurde ich Teil einer Gruppe von dkd'lern, die zum Ausklang des Tages noch prophylaktisch etwas für die Gesundheit getan haben.

dkd Mitarbeiterselfie die dkd-Adrenalinjunkies

Im Großen und Ganzen: Das gesamte Event ist eine Knüller-Idee, von der Location über die Wissensvermittlung bis zur Möglichkeit der Zertifikatsprüfung vor Ort. Wenn sich die Gelegenheit bietet bin ich auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei!

von Kai Harder

Kai Harder ist Baujahr 1979 und Junior Entwickler bei der dkd -- Kai Harder was built in 1979 and is a junior developer at dkd