LKCE2015 in München - Zwei sehr schöne Tage mit über 300 Kanbanisten

Hochwertige Speaker, ein tolles Ambiente, eine perfekte Organisation und offene und interessante Vorträge und Gespräche prägten die diesjährige Lean Kanban in München vom 16.11. - 17.11. in München

Tag 1

Ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg einer Konferenz ist natürlich die Location. Mit dem Paulaner am Nockherberg, wo unter anderem auch das jährliche Politikerderblecken des bayerischen Landtages stattfindet, hat der Veranstalter, die IT-Agile aus München, eine perfekten Griff gemacht. Die Größe der Veranstaltungsräume war ausreichend dimensioniert, die Präsentationstechnik war perfekt und fürs leibliche Wohl war ausreichend gesorgt. Somit waren schon mal ideale Rahmenbedingungen geschaffen.

Begonnen hat die Konferenz mit einer Keynote von Noreena Hertz (www.noreena.com). Noreena Hertz ist Professorin an der London University, Autorin des Buches "How to make decisions" und berät mehrere Regierungschefs weltweit und verschiedene Unternehmen. Ihre Keynote handelte davon, wie Menschen zu Entscheidungen kommen und durch was alles Entscheidungen beeinflusst werden.

Nach der folgenden Kaffeepause standen dem Publikum immer 3 Vorträge gleichzeitig zur Verfügung, so dass sich das Publikum entscheiden musste. Ich entschied mich für Kanban Essentials von Florian Eisenberg. Florian ist kurzfristig eingesprungen, da der ursprünglich geplante Speaker Klaus Leopold krankheitsbedingt absagen musste. In diesem Vortrag erläuterte Florian die Agendas, Vorgehensweisen, Prinzipien und Werte von Kanban.

Als nächstes hörte ich mir das Lagerfeuer Gespräch mit Simon Marcus von Spotify und Andre Roock von Jimdo an. In diesem erläuterten die beiden, wie sie sich regelmäßig gegenseitig austauschen und besuchen. Und auch, welche Vorteile und Erkenntnisse sie aus diesem intensiven Austausch ziehen. Des weiteren boten Sie einen Einblick, wie sie sich hinsichtlich Ihrer Arbeitsweise ihrer Teams ausgerichtet haben. Beide praktizieren das Prinzip der "Auftragstaktik", in der den Teams das "Was" und "Warum" vorgegeben wird, es aber den Teams das "Wie" überlassen bleibt. Bei Jimdo kommt zusätzlich hinzu, dass sie festgestellt haben, das Teamautonomie stark vom "Alignment" innerhalb des Teams abhängig sein muss.

Nach der Mittagspause folgte 20 x 20. Hier standen fünf Speakern jeweils 20 Folien, für die sie jeweils 20 Sekunden Zeit hatten, zur Verfügung, um ein Thema vorzutragen. Diese Vortragsart war naturgemäß sehr kurzweilig aber auch sehr unterhaltsam. Herausragend war Karl Scotland (www.karlscotland.com) mit seinem Thema Waterfall and Agile Hier erläuterte er, was er in seiner Eigenschaft als Agile Consultant Teams auf die Frage antwortet, ob man nicht Agile und Wasserfall gleichzeitig betreiben könne. In 18 Folien und somit 360 Sekunden gab er eine eindeutige Antwort "Nein". Diese aber in Englisch und Deutsch. In verschiedenen Schriften, Farben und in Bildern.

Danach folgte ein Speak von Patrick Steyart über Lean Kanban Innovations. Patrick sprach darüber wie Kanban in der wissensbasierten Arbeit und zur Innovationsförderung genutzt werden kann. Dabei ging er auch auf das Ugly Baby (Eine Lösung sucht ein Problem) und den Invisible Gorilla (Ein Problem sucht eine Lösung) ein.

Im Vortrag Common Communication Failures when implementing Lean and Kanban erläuterte Benjamin Mitchell (blog.benjaminm.net), welche Kommunikationsfehler bei der Einführung von Lean und Kanban vermieden werden sollten und welche Maßnahmen die Akzeptanz bei der Einführung unterstützen.

Der letzte Vortrag des ersten Tages von Jim Benson (www.moduscooperandi.com) hatte den Titel I say "Limit WIP", you say "Seriously"?. Hier zeigte Jim, welche offensichtlichen und versteckten "Work in Progress" bestehen, wie diese zustande kommen und plädierte eindringlich dafür diese zu visualisieren und entsprechend zu begrenzen.

Socializing

Direkt nach dem letzten Vortrag ging es zum Oktoberfest. Hier fand ein intensiver Austausch mit Speakern und Teilnehmern zum Tag, zu deren Erfahrungen mit Kanban, agilem Arbeiten und allgemeinen Themen statt. Da bei der LKCE nicht - wie bei vielen anderen Konferenzen - fast ausschließlich Besucher aus dem Bereich Entwicklung kamen, sondern eben auch aus der Industrie, bekam ich bei diesen Gesprächen einen Eindruck, welche Probleme und Vorteile dort in der täglichen Arbeit mit Kanban herrschen.

Tag 2

Auch dieser Tag war wieder von hervorragenden Speaks geprägt. Den Anfang machte Mister Kanban Dave Anderson (www.djaa.com) mit dem Thema Enterprise Service Planning - Scaling the Benefits of Kanban. Dave erklärte häufige Schwierigkeiten in Unternehmen mit komplexen Problemstellungen und wie diese mittels ESP gelöst werden können. Auch wie relevante Aussagen hinsichtlich Laufzeiten und Risikobewertungen getroffen werden können.

Danach war Janice Linden-Reed mit Building an Information Flow an der Reihe. In diesem Vortrag erläuterte Sie, welche Feedbackschleifen (Kadenzen) beim Enterprise Service Planning bestehen, was deren Zweck ist und wie und wann diese durchgeführt werden.

Nach der folgenden Kaffeepause erläuterte Marian Willeke (www.mhwilleke.com, welche Lernformen es gibt und welche am effektivsten sei. Am Beispiel Ihrer Tochter erläuterte Sie, dass affektives Lernern schneller gehe als kognitives Lernen.

Darauf folgte die Mittagspause. Nach dieser hörte ich mir an, mit welchen Maßnahmen Eike-Marie Eiting (Head of Global Support @ Jimdo) das 24-köpfige, deutschsprachige Supportteam bei Jimdo wieder näher an die Unternehmenskultur und -prozesse geführt hat. So wurde aus einem Team vier Teams, die auch noch räumlich voneinander getrennt wurden und sich so näher an den Entwicklerteams und wichtigen Kommunikationspunkten befinden. Dadurch reduzierten sich die administrativen Aufgaben für die Teamleiter und es erhöhte die Autonomie der Teams.

Gleich danach sprach Eike-Maries Kollege Arne Roock über A Salary Experiment at Jimdo. Jimdo startete mit zwei Teams ein Experiment, in dem man testete, ob transparente Gehälter bei Jimdo funktionieren könnten. Arne erklärte sehr ausführlich, wie sie das Experiment angegangen sind, um es notfalls wieder ohne Folgeschäden beenden zu können. Jimdo hat in Folge dieses Experiments keine transparenten Gehälter eingeführt. Allerdings war es ein wichtiger Lernprozess im Bezug auf internes Feedback und Personalverantwortung.

Im letzten Vortrag Information is key - Kanban is information erläuterte Wolfgang Wiedenroth, wie Kanban helfen kann Informationen, über die einzelnen Ebene optimal zu verteilen.

Zusammenfassung

Die Lean Kanban 2015 war eine tolle Konferenz. Die äußeren Rahmenbedingungen waren perfekt, die Speaker überwiegend hervorragend und der Austausch innerhalb des Publikums sehr gut. Besonders hat mir gefallen, dass auf der Lean Kanban nicht nur Besucher aus der Softwareentwicklung anwesend waren, sondern auch ein erheblicher Anteil an Besuchern aus der Industrie oder anderen Branchen. Die Gespräche waren von einer großen Offenheit geprägt. Ich für mich habe viele Anregungen und auch konkrete Ideen zur Umsetzung mitgenommen.

von Alexander Degelmann

Alexander Degelmann is Account Manager and Digital Strategist at dkd Internet Service GmbH. In internet stuff he is just as enthusiastic as in handball and wakeboarding.